Hyperloop – mit 1.000 Kilometern pro Stunde durch ein Vakuum Leybold unterstützt die EuroTube Foundation mit Know-how und Technologie
Köln, Januar 2026 – Zugegeben, die Vision der EuroTube-Stiftung klingt in Zeiten von Verspätung und Stau besonders ansprechend: Schweizer Forscher wollen nichts weniger als Menschen und Güter sicher, umweltfreundlich und vor allem extrem schnell mit dem Hyperloop von A nach B transportieren. Die Technologie befindet sich derzeit noch in der Testphase, aber ihr Erfolg hängt nicht zuletzt von der Qualität der Vakuumtechnologie ab. Nur in einem Vakuumtunnel ist der Luftwiderstand gering genug, um energiesparend mit Geschwindigkeiten von bis zu 1.000 Kilometern pro Stunde durch ein Rohr zu gleiten. Der Vakuumpionier Leybold ist daher in das Projekt eingebunden und berät und unterstützt ebenso wie seine Vakuumpumpen.
Das Reisen in Hyperloop-Kapseln wäre so schnell wie mit dem Flugzeug.
Bewährte Zusammenarbeit zwischen Leybold und EuroTube
Die Zusammenarbeit zwischen Leybold und der gemeinnützigen Stiftung hat sich als erfolgreich erwiesen und ist über die Jahre gewachsen. EuroTube wurde 2019 von einer Gruppe ehemaliger Studenten der ETH Zürich und EPF Lausanne gegründet, die erfolgreich an den SpaceX Hyperloop Competitions teilgenommen haben. Inzwischen hat es sich zu einem Forschungszentrum mit 15 Mitarbeitern, einem Büro und einem Labor in Dübendorf bei Zürich entwickelt. Leybold unterstützt das Hyperloop-Projekt mit seinen Produkten und seinem enormen Anwendungswissen. „Wir sind zuversichtlich, dass unser Engagement das Hyperloop-Projekt zum Erfolg machen wird“, betont der Physiker Dr. Tom Kammermeier, der seit 2017 bei Leybold am Projekt beteiligt ist.
Leybold ist in das Projekt eingebunden und berät und unterstützt ebenso wie seine Vakuumpumpen.
Swissloop-Konzept hat Hyperloop-Entwicklung beschleunigt
Das erste Aufeinandertreffen der beiden Partner erfolgte im August 2017 beim SpaceX Hyperloop Pod Contest in Hawthorne, Kalifornien, auf dem SpaceX Gelände. Nachdem sich die ETH Zürich-Studenten beim SpaceX-Wettbewerb von Elon Musk mit ihrem Swissloop-Konzept gegen Tausende Teams durchgesetzt hatten. Die studentische Swissloop-Initiative hat die Hyperloop-Entwicklung durchaus forciert. „Daher haben wir im Anschluss direkt die Unterstützung von Leybold angeboten“, berichtet Tom Kammermeier voller Begeisterung. „Es sind dann sofort fünf Kollegen von Köln aus nach Zürich gereist, um zwei Studenten in angemieteten Universitäts-Räumen zu besuchen und deren visionäre Ideen zu erfahren“, ergänzt Kammermeier. Diese waren so fundiert, dass mittlerweile noch weitere Spezialisten von Leybold zum Projekt gestoßen sind: Neben Dr. Tom Kammermeier begleitet seit vier Jahren außerdem Sebastian Rosensträter das EuroTube-Team in leitender Funktion.
Vakuumpumpenstand aus RUVAC WH 4400 und DRYVAC DV 650
Unter anderem hat Leybold währenddessen regelmäßig Berechnungen und Simulationen für EuroTube vorgenommen, weil sich die Rahmenbedingungen dynamisch entwickelt haben. Die Auslegungen mussten daher immer wieder angepasst und neu kalkuliert werden. Mit positivem Ergebnis, denn im Juli 2024 konnte EuroTube den Kick-Off des ersten Bauabschnitts der Hyperloop-Testanlage „DemoTube“ im Innovationspark Zürich feiern. An diesem Demonstrator hat EuroTube derzeit einen Vakuumpumpstand von Leybold aus Wälzkolbenpumpen der Baureihe RUVAC WH 4400 sowie der trockenverdichtenden Schraubenvakuumpumpe DRYVAC DV 900 laufen. „Dies sind typischerweise volumetrische Pumpen, die bis an den Fein-Vakuumbereich heranreichen“, konkretisiert Tom Kammermeier. Im Pumpstandscontainer ist überdies noch Bauraum für ein weiteres System vorgehalten, um je nach Bedarf des Testbetriebs ab der Fertigstellung die Pumpleistung noch zusätzlich erhöhen zu können.
Abpumpzeit und Leckrate entscheidend
Wie lange und häufig und an welchem Streckenabschnitt evakuiert werden muss – dies sind die entscheidenden Fragen, die es technologisch zu beantworten galt. „Und das ist ja exaktder Input den Leybold geben konnte. Dabei gibt zwei wichtige Größen“, führt Tom Kammermeier weiter aus: Die Abpumpzeit und die Leckrate. Die Abpumpzeit bestimmt, wie schnell ein Hyperloop nach einer Belüftung der Röhre wieder in Betrieb gehen kann, und die Leckrate, wie viele Pumpen welcher Größe laufen müssen, damit der Betriebsdruck gehalten werden kann. Auf die exakte Positionierung und Verteilung des Saugvermögens entlang der Strecke können dann noch diverse Druckgradienten Einfluss nehmen. „Das wird allerdings erst so richtig bei großen Dimensionen relevant, wie sie heutzutage noch nicht realisiert sind“, verrät Kammermeier.
Unterdruck in den Röhren halten, Energieverbrauch minimieren
Leybold kann bei der Erreichung der Zielgrößen auf seine bewährte Vakuumtechnologien zurückgreifen. Bereits die beiden Big Player Virgin Hyperloop One des Investors Richard Branson sowie Hyperloop transportation technologies (HTT) haben Pumpsysteme, bestehend aus bis zu acht DRYVAC- und acht WH Roots-Pumpen bei Leybold geordert. Zudem ist das HTT System im Container designt worden, um die Vakuumtechnik anschließend als mobile Lösung anbieten zu können. Die HTT Einheit passt in einen Standard-Versandcontainer und bietet somit eine komplette Plug-and-Play-Lösung. Das gesamte System ist darauf ausgelegt, den Unterdruck in den Röhren zu erreichen und aufrechtzuerhalten, bei minimalem Energieverbrauch und maximaler Betriebszeit. Die Container werden in Abständen von zehn Kilometern entlang der Strecke aufgestellt.
Hyperloop zukünftig als Ersatz von Mittelstreckenflügen
Die breite Praxistauglichkeit des futuristisch anmutenden Transportsystems muss sich erst noch erweisen. Zudem ist ein struktureller Wandel im Gange: Mit Virgin Hyperloop One hat sich bereits ein Big Player aus dem Hyperloop-Universum zurückgezogen. Laut Sebastian Rosensträter sind derzeit neben dem Forschungsinstitut EuroTube fast ausnahmslos Startups aktiv, die auf das Wachstumspotenzial setzen, aber unterschiedliche Ansätze verfolgen: „Ein Teil betrachtet den Hyperloop als zukünftigen Ersatz von Mittelstreckenflügen. Als Voraussetzung dafür müssten neue Vakuumrohr-Trassen jeweils von Flughafen zu Flughafen errichtet werden. Die Überbrückung der Distanzen würde in den Hyperloop-Kapseln vergleichbar schnell erfolgen wie im Flugzeug – nur mit deutlich reduziertem CO2 Ausstoß“, erläutert Sebastian Rosensträter. Die zweite Fraktion sieht im Hyperloop eher eine Alternative zu Hochgeschwindigkeitszügen. Der Grund: Sämtliche Zugtrassen seien bereits jetzt an ihrem Kapazitätslimit und aufgrund der Geschwindigkeit sowie des Bremswegs ist die Taktung für Hochgeschwindigkeitszüge so gering, dass der Neubau einer Hyperlooptrasse insgesamt günstiger sein könnte als der Ausbau des konventionellen Netzes. Die bestehenden Schienen könnten laut Sebastian Rosenstraeter dann vorrangig dem Güterverkehr vorbehalten sein.
Transportmittel bei Olympischen Spielen
Es bleibt also spannend, und Ideen gibt es viele. Und ob der Hyperloop in Zukunft Verkehrsmittel ersetzt oder ergänzt, bleibt offen. „Fakt ist, dass nicht zuletzt auch durch den Support von Leybold Teststrecken erfolgreich geplant und realisiert wurden, wodurch das Hyperloop-Konzept zum Transport von Menschen und Gütern jetzt technisch geeignet ist“, bilanziert Sebastian Rosensträter. Technisch und auch vakuumtechnisch bestehen somit derzeit keine unüberwindbaren Hürden mehr. Die Realisierung der Projekte sollte laut Sebastian Rosensträter am besten durch staatliche Ausschreibungen erfolgen. Denkbar wären seiner Ansicht nach auch die Umsetzung von Prestigeprojekten im mittleren Osten oder zu Sportgroßveranstaltungen wie den Olympischen Spielen.